Hallo an alle!
Ich heiße Elena und komme aus Russland. An der Stelle möchte ich Euch über mein erstes Praktikum in Deutschland erzählen, wodurch ich viele Erfahrungen gesammelt, interessante Menschen kennen gelernt und natürlich mehrere lustige Situationen erlebt habe.
Jeder hat eigene Gründe für ein Praktikum im Ausland. Das können die neuen Erfahrungen, Bekanntschaft mit anderer Kultur und Menschen, Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse und nicht zuletzt bessere Karrierechancen sein. Für mich wurde ein Praktikum in Deutschland vor allem die Erfüllung eines Traums.
Bereits in der Schule während des Deutschunterrichts war ich durch die Kurzgeschichten unserer Sprachlehrerin von Deutschland begeistert, die uns über ihren Aufenthalt in damaliger DDR mehrmals erzählte. Ich kann mich immer noch deutlich daran erinnern, wie wir uns dabei von Spaziergängen auf Unter den Linden, Dresdener Architektur und Bachmusik faszinieren ließen.
Allerdings die Erfüllung meines Traums lies auf sich warten. Nur nach dem Uni- Abschluss bekam ich die Möglichkeit für ein Praktikum in Deutschland. Das 3-monatliche Praktikum in einigen sächsischen Forstbetrieben war durch den Leonardo Fond gefördert.
Einige lustige Entdeckungen aus dieser wunderbaren Zeit möchte ich jetzt mit Euch teilen.
Sprache
Obwohl ich Deutsch in der Schule und an der Uni fleißig studierte und fast ausschließlich beste Noten hatte, konnte ich nach der Ankunft in Deutschland die Umgangssprache kaum verstehen. Bereits während des Fluges hatte ich erstaunlich bemerkt, dass meine angeblich deutschen Flugnachbarn sich so merkwürdig im Vergleich zu der Sprechstimme aus CD-Deutschunterricht unterhaltet hatten. Meine Verzweifelung vergrößerte sich immer mehr, als ich mir zu dem noch einen sächsischen Dialekt anhörte. So nutzte ich immer in den ersten Wochen eine einzigartige Sammlung von Wörtern ohne jegliche Struktur und Grammatik, aktive Gestikulation sowie unschuldiges Lächeln zum besseren Verständnis. Glücklicherweise sprach mein Praktikumsleiter ausgezeichnet Russisch und leistete mir Hilfe bei allen organisatorischen Fragen.
Transport
Eine echte Offenbarung für mich war es, dass die Busse und die Bahn fast minutenpünktlich nach dem Plan verkehren. Man kann eigene Fahrgelegenheit planen und nicht stundenlang auf der Haltestelle bei -30° wie in winterlicher Sibirien tanzen. Anderseits geht dabei eine gewisse Mordsfreude vom plötzlich ankommenden Bus verloren! Auch die per Internet gefundenen Mitfahrgelegenheiten waren für mich was absolut neues. Damit kann man günstig und schnell durch Deutschland und sogar nach Ausland verreisen. Das tollste war auch, an einem Tag das ganze Deutschland zu überqueren und Sonnenuntergang schon beispielsweise in Frankreich genießen.
Arbeitsklima
Zur damaligen Zeitpunkt war ich bereits bei einer heimischen Firma beschäftigt. Deshalb war es für mich sehr interessant, über die Arbeitsverhältnisse im Ausland zu erfahren.
Meine erste Überraschung war es, dass die Mitarbeiter zueinander duzen. Das war üblich in einigen Firmen auch im Umgang mit dem Chef. In Russland dagegen wird eine strenge Hierarchieordnung eingehalten, so muss man die Chefs und die älteren Kollegen ausschließlich mit Sie anreden.
Auch das Thema Geld ist in Deutschland eher Tabu, dagegen sprechen russische Kollegen darüber fast ununterbrochen.
Kulturelle Besonderheiten
Vor der Reise nach Deutschland hatte ich bereits bestimmte Vorstellungen über deutsche Kultur und Menschen, die durch die Bücher, Filmen und Fernseher geprägt wurden. Zum Beispiel, dass
- die Deutschen eher zurückhaltend sind, während die Russen dem erstbesten über eigenes Schicksal alles berichten.
- man zu Gast nur nach der Absprache willkommen ist, während die Russen ohne besondere Umstände jederzeit auf Besuch sind.
- die Russen im Gegensatz zur deutschen Pünktlichkeit das Wort „ Morgen“ haben, was sowohl am nächsten Morgen (eher unwahrscheinlich!) als auch in einem Monat bedeuten kann.
Nach meinem Aufenthalt in Deutschland bin ich jedoch zum Schluss gekommen, dass alle diese gängige Vorurteile nur begrenzt, wenn überhaupt, stimmen. Obwohl die Kulturen im Wesentlichen sich unterscheiden, sind die Menschen die Kulturträger, die sich unabhängig von Kulturzugehörigkeit auf unterschiedlicher Weise verhalten. Die Bekanntschaft nur einigen Menschen aus einem Kreis verschafft nur Allgemeinvorstellung über die Kultur. Auch nach kurzem Aufenthalt im Ausland darf man nicht sagen, dass man diese Kultur besser als eigene Hosentasche kennt.
Nach allen diesen Erfahrungen möchte ich ein Praktikum im Ausland an alle uneingeschränkt empfehlen, was ohne Zweifel ein unvergessliches Erlebnis in Euren Leben sein wird!
geschrieben am Montag, 17. Dezember 2007
Kategorie > Kulturelle Besonderheiten Thema > Auslandspraktikum
|