- Nationalgeschichte
- Akzentuiert jene Ereignisse in der Weltgeschichte, die für die jeweilige Nation einzigartig sind. Dies führt dazu, dass die Nationalgeschichte bspw. Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens oder der Vereinigten Staaten immer die Geschichte eines Sonderwegs ist (der französische, britische, amerikanische ... etc. Sonderweg).
- Nationalität
- Bedeutet einerseits Zugehörigkeit zu einer Nation (i.S. von Staatsangehörigkeit). Andererseits kann damit eine nationale Minderheit gemeint sein. Da für die Anbieter (bspw. von touristischen Dienstleistungen) die Nationalität ihrer Kunden zumeist ein leichter zugängliches Merkmal ist als Kultur, bietet es sich auch für das Interkulturelle Marketing an zu prüfen, ob sich die Proxy-Variable ?Nationalität? zur Erklärung bzw. Prognose bestimmter Verhaltensweisen ihrer Kunden eignet (anstelle von Kultur).
- Nationalitätenstaat
- Staat, dessen Bevölkerung aus mehreren (weitgehend eigenständigen) nationalen Gruppen besteht. So leben in Belgien bspw. Flamen und Wallonen zusammen.
- Nationalstolz
- Anders als Chauvinismus eine positive, konstruktive Emotion, die aus dem Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation erwächst. Der dem Patriotismus verwandte Nationalstolz korreliert eng mit Religiosität. Menschen, die stolz darauf sind, in einem bestimmten Land geboren zu sein, sagen auch, dass ?Gott? für ihr Leben von großer Bedeutung ist. Auch für Rechtsextremisten ist ein - allerdings aggressiver - Nationalstolz charakteristisch. Bei diesen erfüllt er zum einen die Funktion, Andersartige auszugrenzen. Zum anderen soll der Nationalstolz das im Regelfall brüchige Selbstwertgefühl dieser Menschen kompensieren.
- Naturvolk
- Lebensgemeinschaft (zumeist Stamm, seltener Volk), die in enger Anpassung an und starker Abhängigkeit von ihrer natürlichen Umwelt lebt (z.B. Inuit, Buschmannvölker). Naturvölker haben keine Schrift entwickelt und überliefern ihre Kultur mündlich.
- Nemawashi
- Innerbetrieblicher komplexer Abstimmungsprozess in traditionell geführten japanischen Unternehmen, der primär folgende Frage zum Gegenstand hat: Kann bzw. muss ein Entscheidungsproblem zur Ringi-Angelegenheit erklärt werden oder nicht?
- Neo-Kolonialismus
- Kritisierende Klassifizierung der Wirtschafts- und Machtpolitik der Industrieländer gegenüber den Entwicklungs- und Schwellenländern als Fortführung des klassischen Kolonialismus, ohne offiziell den Status einer Kolonialmacht zu haben. Das zentrale Motiv der Neokolonialismus-These (unterschwellige Behinderung bzw. Beschneidung der Entwicklungsmöglichkeiten der Dritten Welt) ist auch Leitmotiv der Dependencia-Theorie.
- Neokonfuzianische Hypothese
- Führt die wirtschaftlichen Erfolge, welche einige ostasiatischen Länder in der jüngeren Vergangenheit erzielt haben, auf das kulturelle Erbe dieser Region zurück (d.h. auf ausgewählte Elemente einer Staats- und Morallehre, die vereinfachend als Konfuzianismus bezeichnet wird).
- Neokonfuzianismus
- Mit buddhistischen Elementen verschmolzene Fassung des klassischen Konfuzianismus, die sich ungefähr 1.000 n. Chr. in Ostasien durchsetzte und in einigen Ländern staatstragende Ideologie wurde (z.B. 1392-1910 in Korea, während der Li-Dynastie).
- Neopositivismus
- Naturwissenschaftliche Strömung innerhalb der Wissenschaftstheorie, welche den Positivismus mit Hilfe der formalen Logik und der analytischen Philosophie reformieren wollte.
- Netting
- Methode des Risiko-Managements. Zur Minimierung des Kursrisikos werden Forderungen und Guthaben in einer Währung gegeneinander verrechnet und nur die darüber hinausgehenden Beträge auf dem freien Markt angeboten. In einigen Unternehmen ist eine als Clearing-Stelle bezeichnete Abteilung für das Netting zuständig.
- Netto-Deviseneffekt des internationalen Tourismus
- Berührt die Frage, ob der internationale Tourismus den Gastländern ökonomisch eher schadet oder nicht. Plausiblerweise profitieren Länder, die völlig oder weitgehend importabhängig sind, von den Touristen nur wenig.
- Neue Ökonomische Geographie
- Verbindet Aussagen der traditionellen Standort-Theorie mit solchen der Neuen Handelstheorie. Im Mittelpunkt der Überlegungen und Analysen stehen die Verteilung ökonomischer Ressourcen im Raum und die Veränderung des räumlichen Gleichgewichts im Verlauf von Integrationsprozessen. Die Raumstruktur wird als Folge der unzähligen Standort-Entscheidungen von Organisationen (z.B. Unternehmen) und Individuen (z.B. Mitarbeiter) betrachtet.
- Neuro-kultureller Erklärungsansatz
- Begründet den (mimischen) Ausdruck von Emotionen mit der Interaktion von Anlage und Umwelt, d.h. mit dem Wechselspiel von ?genetischem Erbe? und gelernten kulturellen Normen, sog. Emotionsregeln. So provozieren plötzliche und unerwartete Ereignisse bei allen Menschen eine Emotion, die wir ?Überraschung? nennen. Ob und wie diesem Gefühl Ausdruck gegeben wird, hängt vom kulturellen Umfeld ab.
- Newly Industrialized Countries
- Untergruppe einer Typologie von Entwicklungsländern. Hierbei handelt es sich um Entwicklungsländer, deren Wirtschaft bzw. Industrie vergleichsweise fortschrittlich ist. In Gegensatz zu den ?typischen Entwicklungsländern? treiben die NICs mit den westlichen Industrienationen intensiven Handel.
- Nicht-Verfügbarkeit
- Von Gütern (insb. natürlichen Ressourcen wie Rohstoffen) wurde von I.B. Kravis als alleiniges Argument zur Begründung von Außenhandel herangezogen. Volkswirtschaften importieren plausiblerweise das, worüber sie selbst nicht verfügen. Nach M. Kutschker & S. Schmid unterscheidet sich der Nicht-Verfügbarkeitsansatz von der Theorie der Faktorausstattung in dreierlei Hinsicht. Erstens in der Frage der Verfügbarkeit (dichotom [ja/nein] vs. kontinuierlich), zweitens der Aggregationsebene (Produkte vs. Produktionsfaktoren) und drittens dem Argument des Kostenvorteils (das im Nicht-Verfügbarkeitsansatz keine Rolle spielt).
- Niedriglohn-Länder
- Ländern, in denen die Faktorkosten (Personalkosten) signifikant geringer sind als in Hochlohn-Ländern. Wie im Zuge der Standort-Diskussion immer wieder dargestellt wurde, sorgen für dieses Kostengefälle in hohem Maße die unterschiedlichen Lohnnebenkosten.
- Nominalzoll
- Höhe des tatsächlich erhobenen Zolls. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff Effektivzoll die Belastung des betrachteten Endprodukts unter ?Herausrechnen? der Zollbelastung der importierten Vorleistungen.
- Nomologisches Netzwerk
- Beziehungsgefüge verschiedener Konstrukte 2. Ordnung samt den zu ihrer Operationalisierung verwendeten Indikatoren. Im Zuge der Konstruktvalidierung erfüllt das nomologische Netzwerk die Funktion, die sukzessive wechselseitige Approximation des Konstrukts als sprachliches Konzept und als empirisch begründeter Messansatz zu dokumentieren und zu unterstützen. Im Idealfall kommt es dann zur Deckungsgleichheit von nomologischem Konzept und empirischer Realität.
- Non-verbale Kommunikation
- Häufig unbewusst ablaufende Form der Kommunikation. Manche Autoren setzen non-verbale Kommunikation mit Körpersprache gleich und fassen darunter Mimik, Gestik, Blickkontakt sowie Körperhaltung. Andere rechnen dazu auch die Zeitsprache, die Raumsprache und die Vertragssprache.
- Nord-/Süd-Handel
- Verläuft zwischen Entwicklungs-, Schwellenländern und Transformationsländer einerseits und Industrieländern andererseits. Diese Handelsströme haben aufgrund der mit der Globalisierung verbundenen Liberalisierung des Welthandels in der letzten Dekade erheblich an Volumen gewonnen.
- Nord-/Süd-Konflikt
- Erwächst aus dem Nord-/Süd-Gefälle, d.h. aus den teilweise scharfen Gegensätzen, die zwischen den primär auf der Südhalbkugel der Erde beheimateten Entwicklungsländern und den Industrieländern des Nordens in vielerlei Hinsicht bestehen.
- Norm
- Explizite oder implizite Verhaltensregel, die in einer Kultur, Subkultur bzw. Gesellschaft oder in einzelnen ihrer sozialen Schichten mit strenger Verbindlichkeit gelten (z.B. Gastfreundschaft). In Abgrenzung zur Norm stellen Prinzipien (nur) individuell gültige Verhaltensregeln dar.
- North American Free Trade Agreement
- Vertrag über die Abschaffung von Handelshemmnissen. Er hebt seit dem 1.1.1994 die meisten Zölle zwischen den Unterzeichnerstaaten (17.12.1992) Kanada, Mexiko und USA auf. Weiterhin sorgte das Nordamerikanische Freihandelsabkommen dafür, dass eine Reihe von Restriktionen (z.B. Investitionen im Finanzdienstleistungsbereich) beseitigt und der Schutz von geistigem Eigentum verbessert wurde.
- Not Invented Here-Syndrom
- Voreingenommenheit gegenüber und Ablehnung von Vorschlägen, Entscheidungen, Innovationen bzw. Neuerungen aller Art, an deren Zustandekommen man selbst (bzw. die eigene Abteilung, das eigene Unternehmen) nicht beteiligt war.